Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen Jaguar XJS zu kaufen, der sollte sich im Vorfeld einige Gedanken darüber machen, ob er sich wirklich für das richtige Fahrzeug entschieden hat. Ein klassischer Jaguar (zu denen ich den XJS bereits zähle) verlangt einiges an Aufmerksamkeit und Pflege. Er braucht einen Stellplatz der relativ groß ist und der nach Möglichkeit überdacht sein sollte. Es tut mir immer in der Seele weh, wenn ich einen XJS bei einem der zahlreichen "Fähnchenhändler" auf einem Schotterparkplatz stehen sehe, wo er Wind und Wetter ausgesetzt ist. Der Lack bereits ausgebleicht, die Reifen halb platt und keine Aussicht auf Besserung.
Ein kompliziertes Fahrzeug wie ein Jaguar XJS braucht ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und Wartung, denn sonst geht er einem ein wie eine Primel, und dient dann bestenfalls noch als Teileträger für einen anderen XJS.
Welcher soll es denn nun sein?
Kommen wir zum Thema der Kaufentscheidung. Einen Preis pauschal festzusetzen, ist sehr schwer, denn bei der Preisfindung spielen sehr viele Faktoren eine große Rolle. Als Erstes muss man sich entscheiden welches Modell es sein soll. Ein Coupé, ein Cabrio oder ein Convertible? Die offenen XJS sind grundsätzlich teurer als ein Coupé. Vom XJ-SC Cabrio gibt es zwar nur sehr wenige, aber die Preise sind noch etwas günstiger als die der Convertible, besonders wenn es sich um einen Face-Lift Convertible handelt.
Eine echte Gretchenfrage ist die der Motorisierung. Soll es nun der 6 Zylinder oder der V12er sein. Der Sechser ist mit Sicherheit ausreichend von der Leistung und in der Wirtschaftlichkeit, was Benzinverbrauch und Wartung angeht, dem Zwölfer weit überlegen. Aber... und das ist ein großes ABER, er ist meiner Meinung nach eine Liga tiefer einzuordnen. Zu den Zeiten des XJS spielte nur noch Ferrari und Lamborghini in der Profiliga des Motorenbaus von 12 Zylindern mit. Der V12 ist und bleibt die Krone, auch wenn es jetzt von VW einen 16 Zylindermotor gibt, der im Bughatti verbaut wird. Es handelt sich dabei schließlich nicht um ein normales Serienfahrzeug.
Die frühen Baujahre 1975-1981 bis zur Einführung der HE Motoren sind meist schon sehr günstig zu bekommen, denn der hohe Benzinverbrauch und die spartanische Ausstattung drücken den Preis nach unten. Die HE motorisierten XJS sind deshalb beliebter und dementsprechend teurer. Doch eins haben die pre HE- und HE Modelle bis 1988 gemeinsam, sie füllen die Taschen der Steuerbehörde ganz gehörig. Sie haben nämlich keinen Kat und damit einen Jahressteuersatz jenseits der 1100 Euro. Eine Nachrüstung lohnt meist nicht, da der Aufwand mit soviel Geld zu Buche schlägt, daß man jahrelang ohne Kat fahren kann um dies auszugleichen. Zumal die technische Umsetzung sehr fraglich ist. Immer wieder wurde nach einer Umrüstung von Motorenproblemen berichtet.
Ein XJS nach 1988, der mit Kat ausgeliefert wurde, ist sofort um die Hälfte günstiger wenn der Fiskus zuschlägt. Die "Face-Lift" XJS sind technisch am ausgereiftesten, und was den Korrosionsschutz angeht den Vorgängern weit voraus. Was den Komfort angeht, haben sie einige kleine Verbesserungen genossen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Sie sind einfach jünger und haben meist eine geringere Laufleistung als alle anderen XJS. Darum sind diese Modelle oft noch am teuersten.
Wo finde ich einen XJS?
Die Möglichkeiten sind mannigfaltig und der Markt ist groß. Es muss also nicht gleich der erste Wagen von Jimmy flinker Finger sein, der vorne um die Ecke das vermeintlich unschlagbare Angebot hat. Schauen Sie sich um und besuchen Sie Oldtimermärkte, Jaguarhändler und freie Händler. Sehen Sie in Zeitschriften und im Internet bei Mobile.de oder anderen Portalen nach. Meist ist das Internetangebot sehr groß und übersichtlich. Kurz gesagt, verschaffen Sie sich erst mal einen Überblick über das Angebot und die Preise. Dann erkennt man meist schon sehr schnell welche Fahrzeuge interessant sind und welche von vorneherein ausscheiden.
Der erste Kontakt
Man steht nun also vor dem XJS, oder hat zumindest ein Bild von ihm und der Verkäufer, ob Händler oder Privatmann ist vollkommen egal, steht neben einem oder ist am Telefon. An diesem Punkt trennt sich bereits die Spreu vom Weizen, wenn man die folgenden drei Fragen stellt!
1. Wie hoch ist der Tachostand?
Eine Laufleistung von über 150.000 Km ist für einen V12 oder einen 6 Zylinder zwar kein Problem, aber es deutet darauf hin, das in naher Zukunft einige Arbeiten gemacht werden müssen, die sehr teuer werden können. Der Wechsel einer Kopfdichtung am 12 Zylinder in einer Jaguarwerkstatt macht einen echt arm. Von den anderen fälligen Arbeiten will ich gar nicht reden.
Es gibt genügend XJS die als Zweit- oder Drittfahrzeug genutzt wurden und dem entsprechend wenige Kilometer auf dem Buckel haben.
2. Ist das Wartungsheft lückenlos?
Diese Frage sollte immer mit ja beantwortet werden und auch anhand des Selben belegt werden. Wenn das Wartungsheft fehlt oder unvollständig ist, sollte man tunlichst die Finger von dem Wagen lassen. Es sei denn, der Verkäufer kann anhand von Rechnungen nachweisen, daß die Arbeiten ausgeführt wurden und lediglich das Wartungsheft verloren gegangen ist. Allzu gerne versuchen sich Besitzer eines Jaguars den sehr teuren Inspektionen zu entziehen oder lassen billige Werkstätten an den komplizierten Motoren arbeiten. Dadurch kann der Anfangs günstig erstandene XJS zu einem Fass ohne Boden in finanzieller Hinsicht werden.
Eine freie Werkstatt muss keine schlechte Arbeit abliefern, aber eine Garantie wie bei Jaguar gibt es eben nicht.
3. Ist der Wagen unfallfrei?
Ein Unfallwagen, der unsachgemäß wieder in Stand gesetzt wurde, kann einen in den Ruin treiben. Karosseriearbeiten an einem Jaguar sind sehr teuer. Original Ersatzeile haben hohe Preise und die Karosserie ist ziemlich reparaturunfreundlich. Oft kann man schleichende Korrosion im Rahmen oder in den Schwellern kaum erkennen. Und wenn man sie erkennt, ist es meist schon zu spät.
Sollten diese drei Fragen alle zufriedenstellend beantwortet worden sein, dann kann man sich daran machen das Auto genauer unter die Lupe zu nehmen. Viele Punkte die nun folgen, können nur richtig kontrolliert werden, wenn der Wagen auf einer Hebebühne steht. Sie sind aber ganz wesentlich bei der Kaufentscheidung und Preisfindung. Bei einem Händler steht meist eine Bühne zur Verfügung. Bei einem Privatverkauf sollten Sie den Verkäufer bitten, mit Ihnen zu der Werkstatt seines Vertrauens zu fahren um das Fahrzeug dort zu inspizieren. Wenn der Verkäufer seriös ist, dann hat er bestimmt nichts dagegen. Ansonsten steigen Sie in Ihr Auto und fahren zum nächsten Angebot, welches mit Sicherheit besser sein wird!